Hundeknigge: Einmal anleinen bitte!

Blog > Beitrag vom 08.11.2021
Hund mit Buch und Brille “Ist das ein Weibchen oder ein Rüde?“ „Der macht nix!“ „Die will nur spielen!“ „Beißt ihr Hund?“ „Ist ihr Hund böse?“ „Da passiert nix!“ oder „Es ist noch nie was passiert!“
Was für die einen selbstverständlich ist, stößt bei anderen immer wieder auf verschiedene Reaktionen – von irritiert, aber freundlich über medium echauffiert bis hin zu aggressiv und frech werdend: die Bitte, den Hund an die Leine zu nehmen.

Für uns einmal Anleinen, bitte – mit allem drum und dran

„Mit allem Drum und Dran?“ – „Jawoll, mit Voraussicht, Rücksicht und Nachsicht. Danke.“

Als Hundehalterin habe ich gefühlt schon alle Reaktionen erlebt auf meine Bitte hin, den freilaufenden Hund doch bitte anzuleinen oder zumindest herbeizurufen, damit kein ungewollter Kontakt mit meiner Hündin entsteht. Oftmals fühlen sich die Halter angegriffen. Sei es mehr aus der eigenen Scham heraus, weil der nicht wirklich funktionierende Rückruf offenbar wird. Sei es aus Angst, dass der Hund schlagartig in tiefe Depressionen verfällt, wenn er diesen furchtbaren Freiheitsentzug kurz ertragen muss. Oder sei es, dass der Halter tatsächlich der Meinung ist, sein Hund wolle doch nur spielen – während diesem bereits deutlich das Messer in der Fellhose aufklappt.

Ich könnte hier Stunden über Situationen und Reaktionen schreiben, die ich erlebt habe oder Freunde und Bekannte von mir, teils haarsträubende Geschichten. Und ja, ich war auch mal unbedarft und rücksichtslos am Anfang meines Hundehalterdaseins und habe die eine oder andere doofe Situation verursacht, sowohl für meine Hündin als auch für andere Menschen mit ihren Hunden. Das Gute ist: Rücksicht kann man lernen. Genauso wie Voraussicht und Nachsicht.

Rücksicht: Warum den eigenen Hund anleinen?

Eins vorab: Es ist egal, ob dein Hund wirklich nur spielen will, ob er noch jung ist und Kontakte „braucht“, oder ob er eine Rüde oder eine Hündin ist. Das alleinige Entscheidungsrecht, ob dein Hund einem anderen begegnen, „hallo sagen“ oder auf die Mappe hauen darf, liegt beim Gegenüber.

Hundehalter, die dich bitten, deinen Hund anzuleinen, haben einen Grund dafür und dieser hat meist nicht einmal etwas mit deinem Hund zu tun. Mögliche Gründe können sein:

  • Der Hund ist alt, er will einfach seine Zeit mit seinem Menschen genießen und alles andere stört
  • Es handelt sich um eine läufige Hündin, die womöglich auch gerade besonders sensibel oder gar in der Standhitze ist
  • Der Hund reagiert auf Artgenossen aggressiv, egal ob aus Angst oder sonstigen Gründen
  • Der Hund ist verletzt oder krank – viele Krankheiten sieht man einem Hund nicht direkt an
  • Der Hund hat Flöhe oder andere Parasiten und der Mensch möchte sein Umfeld schützen
  • Das Hund-Mensch-Team befindet sich im Training und kann gerade keine Störung gebrauchen
  • Der Hund ist noch nicht lange bei seinem Halter und die beiden möchten sich ohne Störung kennen und einschätzen lernen
  • Der Hund hat schlechte Erfahrung mit fremden Hunden gemacht und sein Mensch möchte keine Wiederholung riskieren
  • Der Mensch möchte seinen Hund schützen und da er dich und deinen Hund nicht kennt, geht er grundsätzlich auf Nummer sicher
  • Der Hund hat schlicht und ergreifend Angst und tatsächlich geht diese nicht einfach weg, indem fremde Hund auf ihn losgelassen werden
  • Der Mensch führt den Hund lediglich für jemand anderen spazieren und möchte nicht einschätzbare oder unkontrollierbare Situationen vermeiden
  • Der Hund möchte einfach keinen Kontakt zu fremden Hunden – ja, das ist weiterverbreitet, als du vielleicht denkst und auch ganz natürlich
  • Der Mensch möchte keinen Kontakt – und Punkt

Es gibt sicher noch einige Gründe mehr, aber hier nenne ich noch einen letzten, der dich immer dazu veranlassen sollte, deinen Hund anzuleinen – auch ohne vorherige Bitte: der entgegenkommende Mensch hat seinen Hund an der Leine. Hier ist der Grund schlicht und einfach: Rücksicht.

Voraussicht: Sei bei der Sache und bleibe handlungsfähig

Auch, wenn es sehr verlockend ist, beim Spaziergang mit dem Hund gerade mal die E-Mails zu checken, die Likes auf den Social Media-Kanälen zu zählen oder auch in einen Plausch mit Bello-Frauchen aus der Nachbarschaft einzutauchen: die Welt um euch herum steht derweil nicht still. Wenn du mit deinem Hund raus gehst, hast du eine Verantwortung sowohl deinem eigenen Hund als auch der Umwelt gegenüber und die heißt: sei aufmerksam und handle vorausschauend. Behalte dein Umfeld im Auge und wenn euch ein Hund-Mensch-Team entgegenkommt, leine deinen Hund lieber früher an als später. Ebenso freuen sich auch andere Menschen über dein respektvolles Handeln, wie etwa Spaziergänger, Radfahrer, Jogger u.v.m. Übrigens: dein Hund nimmt sehr wohl wahr, wenn du abgelenkt bist und ggf. unangenehme Situationen oder gar potenzielle Gefahren nicht für ihn regelst. Auch dein Hund freut sich, wenn du während des Spaziergangs bei ihm bist und in seinem Sinne handelst.

Nachsicht: Und wenn es dann doch einmal passiert

Letzten Endes sind wir alle nur Menschen und sollten uns das auch gegenseitig eingestehen. Bittet dich ein Hundehalter, den du gar nicht wahrgenommen hast, deinen Hund anzuleinen, tu es einfach. Und wenn doch einmal plötzlich eine unglückliche Situation entsteht, dein Hund z.B. in ungewollten Kontakt mit einem Fremdhund geht beim konzentrierten Schnüffeln einem Jogger vor die Füße läuft: löse die Situation wieder möglichst positiv auf und entschuldige dich. Diese kleine, aber feine Geste bewirkt manchmal Wunder! Auch dann, wenn „nichts passiert“ ist. Denn mit dem ungewollten Kontakt ist ja genau genommen schon etwas passiert.

Und wenn ein doch einmal ein unangeleinter Tutnix eure Wege kreuzt? Auch dann darfst auch du nachsichtig sein. Niemand ist perfekt. Wenn der dazugehörige Mensch freundlich ist und deiner Bitte nachkommt, den Hund wieder zu sich zu nehmen, dann ist das doch auch schonmal was. Jeder hat einmal angefangen, hat mal einen etwas langsameren Tag oder steht auch mal komplett neben sich. Gib einfach dein bestes für dich, deinen Hund und dein Umfeld und das ist schon jede Menge.

Martina, Hundetrainerin bei Kläffer & Smart

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