Hundeknigge: Hunde, die aus Kofferräumen fliegen

Blog > Beitrag vom 20.12.2021
Hund springt aus Kofferraum … oder im Wagen explodieren. Klingt bisschen nach Schwarzeneggers Glanzzeiten? Passt, denn in diesem Artikel geht es zur Sache! Kleiner Spoiler vorab: es dreht sich um Autos. Und um Hunde. Und um Action ;)

Zuerst fliegt der Hund aus dem Kofferraum und dann dem Fremdhund um die Ohren

Der Plot: Ein Mensch hat sein Auto am Waldparkplatz geparkt, seinen Hund angeleint, ihm erlaubt, das Auto gesittet zu verlassen und beide spazieren gemütlich los. Dann fährt ein weiteres Auto auf den Parkplatz, der Fahrer steigt aus und während er die Kofferraumklappe noch nicht ganz aufgezogen hat, ist sein Hund bereits draußen und brettert voraus. Und zwar in den Hund hinein, der gerade mit seinem Menschen gemütlich losgelatscht ist. Das Ganze geht so schnell, dass noch nicht einmal der Satz „Der tut nix, der will nur spielen“ beendet werden kann. Klingt übertrieben? Ist tatsächlich schon vielen Menschen so passiert. Manchmal sogar mit einer ganzen Hundebande, die aus einem Auto springt.

Ein weiterer real life Actionstreifen hat in etwa folgende Handlung: Ein Auto fährt auf einen Parkplatz und von weitem hört man schon einen Hund darin in völlig eskaliertem Zustand. Der Mensch steigt aus und hat kaum seinen vor Aufregung dauerbellenden Hund aus dem Auto gelassen, schon fliegt ein Ball – und der Hund natürlich hinterher. Egal, ob da andere Menschen oder Hunde in der Nähe sind.

Man könnte jetzt aus Regie-, pardon, Trainersicht viel dazu schreiben, warum es nicht empfehlenswert ist, mit seinem Hund so übererregt und actiongeladen in den Spaziergang zu starten – das Thema Ballsucht lassen wir mal komplett außen vor –, aber: Wir sind hier beim Knigge und da geht es um die fremden Individuen, die man durch rücksichtsloses Verhalten beeinflusst, also spreche ich aus der Haltersicht: Ich gebe dir Recht, wenn du der Meinung bist, es ist deine Sache, wie du mit deinem Hund aus dem Auto steigst und deinen Spaziergang gestaltest. Solange du dich dabei rücksichtsvoll verhältst. Bevor du deinen Hund zu anderen Hunden und/oder Menschen lässt, frage nach, ob das okay ist. Wie bereits in unserem Blogartikel Abstand. AHA-Regeln für Hundehalter ausführlich besprochen. Dabei spielt es keine Rolle, ob dein Hund alle Hunde und/oder Menschen liebt. Es spielt jedoch eine Rolle, ob der andere Mensch Kontakt möchte, denn nur ihm obliegt diese Entscheidung. Er kennt seinen Hund am besten und weiß, was für ihn gut oder schlecht ist. Wenn dein Hund also quasi unkontrollierbar ist, sobald die Kofferraumtür aufgeht, sichere ihn bitte mit der Leine ab, wenn andere Menschen und Hunde in der Nähe sind. 

Solltest du zu den Ballspielern gehören und jetzt denken „aber mein Hund interessiert sich doch gar nicht für andere Hunde oder Menschen, nur für sein Bällchen!“, möchte ich dir eine andere Sichtweise eröffnen. Auch, wenn dein Hund nur noch in seiner Bällchenwelt ist und gar nicht auf die Idee kommt, zu anderen Hunden zu laufen, so sind aber andere Hund vielleicht noch nicht so weit, dass sie es aushalten, wenn du mit deinem Hund vor ihrer Nase volle Action fährst. Da helfen auch keine Pauschalurteile wie „sollen die doch an der Impulskontrolle arbeiten, statt uns den Spaß zu verderben“, denn vielleicht machen sie das ja und sind schon sehr weit gekommen. Nur noch nicht so weit, wie du es ihnen gerade abverlangst. Und so ein Bällchen kann auch dem geschicktesten Hund in voller Dynamik einmal aus der Schnauze fallen und einem Radfahrer vor die Räder rollen. Gefolgt von einem Hund, der kopflos hinterher rennt. Im besten Fall endet dieser Actionstreifen dann mit einem Schrecken für Mensch und Tier, im schlimmsten Fall blutig. Sollte dein Hund (bzw. du selbst) nicht ein paar Minuten warten können, bis niemand mehr in Sichtweite ist, dann ist das euer Problem, nicht das der anderen. Fair ist es, wenn jeder seine Probleme bei sich behält.

Kill Bill – zumindest, wenn er meinem Auto zu nahe kommt!

So wie viele Menschen ticken, ticken auch viele Hunde: Mein Haus, mein Auto, mein(e) Frau(chen) … Und einige ticken sogar richtig aus, wenn sich ein Mensch oder ein Hund dem eigenen Auto nähert. Egal, ob der Hund alleine drinsitzt oder mit seiner Familie. Nicht alle „Hundeautos“ erkennt man an einer Box oder einem Schutzgitter im Inneren des Fahrzeugs. So ist es ratsam, grundsätzlich Abstand zu halten, wenn man an Autos vorbei geht und den eigenen Hund nicht noch extra schnüffeln zu lassen, selbst wenn nichts auf einen Hund im Auto hinweist. Wenigstens an hundetypischen Orten wie Waldparkplätzen und dergleichen. Das gilt übrigens auch, wenn ein Hund gerade im offenen Kofferraum eines Autos sitzt, auch wenn sein Mensch gerade bei ihm ist. Bitte einfach einen freundlichen Bogen machen. Falls du jetzt denkst „aber es ist doch nicht mein Problem, wenn der Hund da drin zu Rambo mutiert, dann müssen die Besitzer doch daran arbeiten!“ Auch hier möchte ich dir eine andere Sichtweise eröffnen. Versetz dich mal in eine ähnliche Lage: Wenn ein wildfremder Mensch um dein Haus schleicht und an den Türen rüttelt, sollte man von dir verlangen, so etwas gut zu finden? So ungefähr ist das nämlich für den ein oder anderen Hund in seinem Auto, also in seinem Revier. Sich über mutmaßliche Eindringlinge aufzuregen ist nicht nur sein Recht, sondern auch sein Instinkt.

Also: bevor die Karre im Dreck steht, nehmt euch lieber diese Knigge-Tipps zu Herzen und habt auf dem Schirm, was mit Hunden rund ums Auto passieren kann. Weniger Action und mehr Rücksicht für alle!

Martina, Hundetrainerin bei Kläffer & Smart

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