Hundeknigge: Geborene Hundeflüsterer

Blog > Beitrag vom 17.01.2022
Hundeflüsterer oder Klugscheißer? Gehörst du zu den Menschen, die sehr viel über Hunde wissen und anderen Hundehaltern gerne Tipps & Ratschläge geben? Ob du danach gefragt wirst oder nicht?

Bist du der geborene Hundeflüsterer?

Weil du schon seit über 40 Jahren Hunde hast? Weil du im Hundeverein seit Jahrzehnten Schäferhunde ausbildest? Weil du das in der Hundeschule mit deinem Hund so gelernt hast? Weil du ein paar Folgen Rütter, Milan & Co. geschaut und diese zutiefst verinnerlicht hast? Oder einfach, weil dein gesunder Menschenverstand dir grundsätzlich offenbart, was richtig und was falsch ist?

Bei aller Expertise: neue Perspektiven erfahren und dazu lernen kann man immer, oder? Dieser Artikel möchte dir gerne neue Perspektiven eröffnen.

Spür doch mal in dich hinein: So, wie du dir wahrscheinlich wünschst, dass andere Menschen deine Meinung schätzen, so möchten auch andere Menschen von dir geschätzt werden. Dazu gehört zum Beispiel, dass sie nicht von dir als fremdem Menschen für etwas bewertet werden, was du nicht bewerten kannst. Denn: Wenn du ein wildfremdes Mensch-Hund-Team triffst, ist es zunächst egal, was du da gerade siehst und meinst, kommentieren zu müssen: Ob da nun ein Hund ist, der in der Leine hängt, der andere anbellt oder dem dein Hund nicht „hallo sagen“ darf. Fakt ist, es ist lediglich ein ganz kurzer Ausschnitt, ein Fingerschnippen, aus dem Leben zweier fremder Individuen. Da ist ein Mensch, über den du nichts weißt, mit einem Hund, über den du nichts weißt.

Achtung, Verwechslungsgefahr: Ein unerbetener Ratschlag ist nicht gleich Hilfe

Auch, wenn du genau weißt, was für deinen Hund oder Hunde, die du kennst oder ausgebildet hast, funktioniert. Über das fremde Gespann hingegen weißt du dennoch nichts: Du weißt nicht, ob der Mensch überhaupt der Eigentümer des Hundes ist oder ein Gassigänger, Aufpasser, die Pflegestelle etc. Du weißt nicht, wie gut sich Mensch und Hund bereits kennen. Du weißt nicht, woher der Hund kommt, was für eine Geschichte er vielleicht hat. Du weißt nicht, welche Erfahrungen der Hund gemacht hat, welche Krankheiten, Schmerzen er vielleicht hat oder auch Stärken und Talente. Du weißt nicht, ob der Hund, der deiner Meinung nach vielleicht unerwünschtes Verhalten zeigt, schon viel besser reagiert, als das in der Vergangenheit der Fall war. Du weißt nicht, ob der Mensch hingebungsvoll mit seinem Hund trainiert und beide längst den für sie richtigen Weg gefunden haben. Du weißt nicht, ob du vielleicht gerade einen versierten Hundetrainer vor dir hast, der sich eines verhaltensauffälligen Hundes annimmt. Du weißt nicht, welche Ansätze gerade für dieses Team gut funktionieren. Und Ansätze, Methoden, Konzepte, Schablonen gibt es viele und auch davon kennst du höchstwahrscheinlich nur einen Ausschnitt. Selbst, wenn du dich seit Jahren interessierst, weiterbildest und die neuesten Erkenntnisse verfolgst. Wenn du nichts über andere weißt, dann kannst du auch schlecht Ratschläge geben. Und unerbetene Ratschläge sind i.d.R. keine Hilfe. Ich finde übrigens, das gilt auch für Hundetrainer, die fremde Mensch-Hund-Teams ansprechen. Möge das Verhalten, das sie sehen, noch so unerwünscht sein.

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold

Solltest du wirklich helfen und dich nicht einfach mit einer „ich kann es besser“-Attitüde profilieren wollen, so zeige doch einfach aufrichtiges, wenn auch dezentes Interesse und übe dich in Zurückhaltung. Wenn du dich nicht zurückhalten kannst, aber dein Anstand zumindest größer ist als dein Profilierungsdrang, so frage doch zumindest „darf ich Ihnen einen Ratschlag geben?“. Und wenn die Antwort darauf „nein, danke“ lautet, dann akzeptiere sie und kümmere dich einfach wieder um dich und um deinen eigenen Hund. Selbst, wenn ihr beide perfekt seid.

Viele Menschen möchten auch gar keinen Kontakt, sondern sich einfach um sich und ihren Hund kümmern, in Ruhe üben, die Zeit miteinander so gestalten und genießen, wie es für sie richtig ist. Auch – oder vor allem – dann nicht, wenn sie bewusst eine Distanz zu dir aufbauen, sobald sie dich sehen, wie wir bereits in unserem Artikel „Abstand. AHA-Regeln für Hundehalter“ erklärt haben.

Und zu guter Letzt: Selbst, wenn du das Mensch-Hund-Team kennst – ob vom Sehen bei deinen Spaziergängen oder sogar noch näher – ist das noch kein Freifahrtschein für unerbetene Ratschläge.

Genug geredet. Rücksicht und ein Recht auf Ruhe und Ratlos-Sein für alle!

geschrieben von Martina, Hundetrainerin bei Kläffer & Smart

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