Hundeknigge: Mensch, verhundliche dich

Blog > Beitrag vom 25.04.2022
Mensch und Hund als perfektes Team Häää, was soll das denn jetzt heißen?! Ganz einfach. Wir Menschen neigen dazu, Hunde sehr zu vermenschlichen. Und das oft dort, wo es nicht passt, statt bei den vielen sozialen und emotionalen Gemeinsamkeiten von Mensch und Hund. Die meisten Hunde bekommen von ihren Haltern Futter, Auslauf, Streicheleinheiten, Training und ganz viel Liebe, aber das ist nicht annähernd alles, was sie brauchen. Das führt zu Stress und gerne auch zu sogenanntem unerwünschtem Verhalten, das sich meist auch auf das gesamte Umfeld auswirkt. Deshalb heute unser Appell: Mensch, verhundliche dich!

Und was hat das Thema nun im Hundeknigge zu suchen? Nun. In den Köpfen vieler Hundehalter geistern immer noch viele gängigen Glaubenssätze herum, die nichts mit Fakten zu tun haben. Das sorgt oftmals dafür, dass ihr Verhalten ihren Hunden gegenüber diese unter Stress setzt, sie überfordert, sie übergriffig macht oder gar aggressiv. Das wiederum beeinträchtigt meist das gesamte Umfeld. Ergo: Sorgt jeder Hundehalter für einen adäquaten Umgang mit seinem individuellen Hund gibt es weniger Probleme unter Hunden und deren Haltern.

Und so wird’s heute mal`n büschn philosophisch hier und es gibt nur einen Tipp – dafür aber einen ultimativen ;)

Meinungen statt Wissen, Glaubenssätze statt Kenntnisse

Gerade, was die hündischen Bedürfnisse angeht, liegt so arg viel im Argen. Tagtäglich hört man Weisheiten à la „Ein Hund muss jedem anderen Hund hallo sagen, sonst kriegt er Depressionen“. Oder „Hunde müssen spielen und toben bis kurz vorm Erschöpfungstod, damit sie glücklich sind“. Und dann gibt es noch die schlichte und gleichzeitig dramatische Verwechslung von Erziehung und Training. Nein, wenn der Hund ein perfektes Sitz kann, dafür aber als Dauerzustand in der Leine hängt wie auf Koks und jeden Menschen anspringt, der nicht bei drei auf den Bäumen ist, ist er nicht erzogen. Aber dafür kann er ein Sitz.

Der Mensch, der beste Feind des Hundes

Viele alte Glaubenssätze halten sich so hartnäckig wie aktuell gängige Verschwörungstheorien und genau so schwer scheinen sie auch aus den Köpfen zu kriegen. Ein paar davon haben es sogar in unser Hundegassi Bullshit-Bingo geschafft. Anstatt sich aktuelles, erforschtes, belegtes Wissen anzueignen, werden einfach seit jeher irgendwelche Aussagen nachgeplappert oder eigens erfundene Meinungen als die einzig wahre Wahrheit über Hunde in die Welt posaunt. Wer dabei immer mehr auf der Strecke bleibt, ist der so genannte beste Freund des Menschen. Wenn ich so wenig Verständnis und Empathie, dafür aber so viele Unterstellungen und Übergriffigkeiten für meine besten Freunde parat hätte, hätte ich längst keine mehr.

Ein Raubtier als Seelentröster

Der Hund ist und bleibt trotz aller Domestikation ein Tier, im Speziellen ein Raubtier. Mit von der Natur durchaus sinnvoll programmierter Genetik. Klar, kann er dennoch bester Freund, engster Vertrauter, Seelentröster, Sportkamerad oder auch Kindersatz sein. Unter der Voraussetzung, dass der Mensch sich a) einen Hund aussucht, der bestmöglich in sein Leben passt und b) dieses Leben nicht einfach auf seinen Hund drüberstülpt, als hätte dieser keine Bedürfnisse, keine Persönlichkeit, keine Rechte. Den Hund zu verstehen, beginnt beim Raubtier. Ihn als Familienmitglied, das er für uns sein sollte, wertzuschätzen und zu behandeln beginnt dort, wo unsere vielen sozialen Parallelen liegen. Um in unserer Menschenwelt, in unserem Menschenalltag, mit unserem Menschsein klarzukommen und sich bestmöglich einzugliedern, braucht der Hund von uns in aller erster Linie, dass wir ihn verstehen. Und zwar jeder einzelne Hund für sich als Individuum mit all seinen persönlichen Merkmalen, Stärken, Schwächen, Talenten, Vorlieben etc. Und dann braucht er unsere Anleitung, unsere Regelvorgaben, unsere Unterstützung. Keine Unwahrheiten und keine abgelutschten Sprüche.

Fundiertes Wissen an allen Ecken und Enden – statt Bullshit an jedem Pinkelbaum

Und jetzt kommt der ultimative Tipp: Heutzutage ist es so einfach wie noch nie, richtig fit im Hundeverstehen zu werden. Für jeden Otto-Normal-Hundehalter, nicht nur für Hundetrainer. Das geht über Hundeschulen oder Wissensplattformen, über Präsenz-Seminare oder Online-Kurse, über Bücher oder Podcasts (schonmal in unser „Schnauzengeflüster“ reingehört?). Es gibt neuerdings so viele Anbieter – auch dank Corona –, bei denen man sich online fundiertes Hundewissen aneignen kann, zur Natur des Hundes, zu allgemeinen Bedürfnissen, Entwicklung, Körpersprache und Ausdrucksverhalten, Kommunikation, Stress und Entspannung, wissenschaftlichen Erkenntnissen u.v.m. Und das zu fairen Preisen. Damit sind allerdings keine Abos gemeint, in denen man pauschalisierte und vorgefertigte Übungen abrufen und mal munter drauflos machen kann, ohne Möglichkeit der Rücksprache oder Korrektur! Gerade für Training und Erziehung empfiehlt es sich, gute Trainer für persönliche Betreuung aufzusuchen. Vereinzelt gibt es auch richtig gute Online-Seminar-Reihen, in denen man möglichst individuell betreut wird. Mit Beantwortung von Fragen, Behandlung von individuellen Problemen, Video-Analysen und Anleitungen, wie z.B. die „Hunde gelassen führen“-Reihe von The Big Foot Way, die ich selbst mitgemacht habe und jedem wärmstens empfehlen kann – ob Halter oder Trainer. Es gibt so viele Möglichkeiten und jeder kann sie nutzen.

Also Mensch: verhundliche dich

Wer sich ein Lebewesen ins Haus holt, der hat eine sehr, sehr große Verantwortung sich selbst, seiner Familie, seinem Umfeld und vor allem diesem Lebewesen gegenüber. Bei dem Wahnsinnsangebot an Lernmöglichkeiten gibt es keinen Grund mehr, nicht alles dafür zu tun, seinen Hund zu verstehen, zu erziehen und in allen Lebenslagen zu unterstützen. Viele Menschen machen das glücklicherweise auch, ich freue mich von Herzen über jeden einzelnen. Und ich hoffe, es werden immer mehr. Amen.

geschrieben von Martina, Hundetrainerin bei Kläffer & Smart

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